Für Ideen einmal kräftig schütteln
Prost! Auf viele weitere Schreibwochen!
Manche Ideen kommen beim Duschen. Andere haben mich schon beim Laufen heimgesucht. Wieder andere lassen sich herbeischreiben, munkelt man in der Bücherbranche. Kreativtechniken sei dank.
Meine letzte Idee hat mich nachts um halb 2 auf dem Klo überfallen.
Echt! Sie hat mich sofort gecatched. Ich habs am Kribbeln im Nacken gespürt. Sogleich war mir klar, dass ich das Schlafen für diese Nacht abhaken konnte. Deswegen lutschte ich bis zum nächsten Morgen die Geschichte rund in meinem Kopf und stürzte mich aufs Exposé, sobald die Kinder zur Schule gingen. Es war wie ein Wahn.
„Hm. Joa. Na ja. Für’ne Klostory … ganz okayyy“, befand auch Horst. Aber Begeisterung ist nicht so sein Terrain, und ganz okayyy ist bei Horst sowas wie brausender Applaus oder Standing Ovations.
Zum Glück war auch meine Literaturagentin seiner Meinung und so machte sich das Exposé schon bald auf die Reise zum Verlag.
*Verdammt war das aufregend!
Und dann wurde es ziemlich bald noch aufregender.
Denn prompt wurde über die Agentur die Leseprobe angefordert.
Ähmmmm. Leseprobe? Welche Leseprobe?
Normalerweise bin ich tagsüber Zwillingsmama und selbstständige Art Direktorin. Erst am Abend schreibe ich mit einer Hartnäckigkeit, die mich selbst manchmal überrascht, Kinderbücher.
Ich beschloss diesmal den radikalen Weg zu gehen und schenkte mir Zeit.
Nicht den üblichen Krakenmodus delight, keine gestohlenen Abendstunden zum Schreiben. Nein! Ich schob Aufträge, sagte sogar welche ab. Und dann lag eine wunderbare Woche vor mir. Eine Woche Schreiben mit ganzem Hirn. Und vollem Herzen.
„Mutig“, sagte Horst.
„Danke.“
„Das war nicht als Kompliment gemeint.“
Ich tat es trotzdem.
Was folgte, war die schönste Arbeitswoche seit … immer. Und am Ende war die Leseprobe fertig. Und der Szenenplan auch. Horst meldete sich sofort zurück. „Dass das nicht zur Gewohnheit wird, Anne. Die Miete muss auch bezahlt werden.“
»Ja ja.« Ich hatte keine Lust mich von meiner Schreibwolke 7 herunterkicken zu lassen. Nicht von einem Schweinehund!
Zum Glück lässt Horst sich mit Schokolade besänftigen. Meine Auftraggeber leider nicht. Also schreibe ich derzeit wieder abends und freue mich über jeden Klobesuch. Wer weiß schon, wo die nächste Idee auf mich lauert?
„Frag mich doch zur Abwechslung!“, knurrt Horst. „Ich stecke voller Geistesblitze. Ich bin ein Fass ohne Boden. Eine Wundertüte der Extrakajüte. Einmal schütteln – ZACK! Kommt ’ne Idee unten raus.“
Das ist unbestritten. Aber vielleicht reicht es ja, wenn ich mich einmal schüttle und dazu einen leckeres Heißgetränk schlürfe? Kommt bestimmt was gutes bei raus.
Und noch eines ist sicher: Ich bin auf den Geschmack gekommen. Hier und da, dann und wann eine Woche für’s Schreiben zu reservieren, wird in meine Jahresplanung aufgenommen. Das läuft ab sofort unter Selfcare und Worklife Balance.
Seid lieb miteinander – und zu Euren Schweinehunden oder Hündinnen.
Anne